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bananafishbones

„36m² “ Das Album 36 Quadratmeter erscheinen wenig. Aber es kommt darauf an, was man daraus macht: Auf einer Waldlichtung wachsen wertvollere Kräuter als auf einer holländischen Tomatenplantage; kleine Plattengeschäfte halten oft abwegig geniale Musik bereit; in manch Studentenbude steigen höllischere Partys als in jeder Großraumdisco. Und drei Musiker können in einem Keller von 36 Quadratmetern eine große Platte aufnehmen. Drei Monate lang spielte sich das Leben der Bananafishbones inmitten feinster Technik im „Fishtankstudio“ unter der Garage von Schlagzeuger Florian Rein in Bad Tölz ab. Der trommelte meist von 8 Uhr morgens an, dann kamen die Brüder Sebastian (Gesang, Bass) und Peter Horn (Gitarre, Gesang) dazu und tüftelten bis 3, 4 Uhr nachts an ihrem fünften Album. „Wir wollten es diesmal ganz alleine machen“, sagt Sebastian Horn, „ohne Produzenten, ohne Engineer, ohne Plattenfirma.“ Nach drei Alben bei einem Major-Label fanden sie wieder völlig zu sich: Kein Stundenplan. Kein Druck. Keine Zensur. „Jeder abstruseste Gedanke war erlaubt, wir haben alles ausprobiert. Am Ende waren wir uns so einig wie noch nie“, sagt der Sänger und Texter.

Man hört es „36m²“ an: Ohne sich von irgendwem auf die graue Hauptstraße schicken zu lassen, haben sich die Bananafishbones ihren Privatweg durch abseitige Klanglandschaften gebahnt: Am schroffen Alternative-Rock vorbei („Snowflakes“, „Palmers“), von Bienenschwärmen gejagt über sumpfige Gitarren-Pop-Wiesen („Clue“, „Honeymoon“), entlang an tiefgründigen Baladen („Jimmy Corrigan“), unter Blitz und Donner („Welcome Here“) gut gelaunt zu unbestellten Country-Feldern („Ever“), halluzinierend in Giftpilzplantagen („Funky Rabbit“) und beim Abstecher auf das ihnen unbekannte Punk-Rock-Terrain („Miracle“). Dabei erzählt Sänger Sebastian Horn seine berüchtigten Schauer-Geschichten: von flüchtigen Brautmördern, einer Monster-Attacke, Snowboardern auf dem Weg in die Hölle und Menschen, die sich in Nichts auflösen wie Socken in der Waschmaschine. Er schlüpft in fremde Rollen, leiht ihnen seine dämonische, trotzige, sonore, manchmal comichafte Stimme, die direkt aus dem Kopf des Zuhörers zu dröhnen scheint und einen frösteln lässt. Dagegen wärmen Peter Horns Gesangsparts („Clue“, „Honeymoon“, „Jimmy Corrigan“) wie ein Lagerfeuer.

Der Funke springt über von der CD zum Hörer, so wie von der Bühne zum Publikum – so wie sie es immer wollten. „Beim vorigen Album haben wir versucht, das Live-Gefühl durch Lautstärke rüberzurocken“, sagt Sebastian Horn, „aber das ist es nicht. Es sind Spielfreude und Wahnwitz.“ Und die konnten sie am besten auf den eigenen 36 Quadratmetern entfalten: „Wir haben uns wohlgefühlt, das war das wichtigste.“

Die Band
Drei Mann erscheinen wenig für eine Band. Es sind genug, wenn es die richtigen sind. Die Bananafishbones sind es, das weiß, wer sie auf der Bühne gesehen hat. „Mehr als drei virtuose Musiker braucht es nicht, um einen ideenreichen, originellen und dichten Sound zu produzieren“, schrieb die Süddeutsche Zeitung über sie, „eine der besten Live-Bands des Landes“. Die drei haben die beste Basis, findet Sebastian Horn: „Wir sind alle Musiknarren.“ Auf jedem Album eröffnen die Bananafishbones einen Kosmos aus guten und bösen Geistern, den zur ergründen ein lehrreiches Vergnügen ist: den Hinweisen zum düsteren Werk von David Lynch nachzugehen; Sebastian Horns Lieblingsgeschichten nachlesen von den Horror-Gebrüdern Grimm bis zum US-Großmeister Jerome D. Salinger, der mit seiner Kurzgeschichte „A perfect Day for Bananafish“ einer The Cure-Nummer und später der Band den Namen gab; Gedichte von William Wordsworth oder Georg Trakl nachschlagen; die Ur-Welt um die Gumpen bei Lenggries, die in ihrem Video „Come To Sin“ auftauchte, suchen; eine Plattensammlung mit all den erlesenen Musik-Genies anlegen, die ihre Stücke prägen – mit Country & Western von Woody Guthrie bis Lynn Anderson, die New Yorker Avantgarde (Captain Beefheart, Frank Zappa), die bösen Jungs (Panterra, Marilyn Manson), und skuriller Untergrund-Rock, wie von Eels, Pothead, Giant Sand und den Stil-Parodisten von Ween. Das neue Album „ 36 m² “ bringt dem Hörer Johnny Cash, Elliot Smith und Robert Palmer sowie Chris Wares Comic-Helden Jimmy Corrigan und die Prosa des Japaners Haruki Murakami näher. Wieder eine Fundgrube.

Die Bühne
 - das ist ihr Ding. „Da steckt unsere ganze Energie drin“, sagt Sebastian. So sind sie groß geworden, haben sich, wo sie auftauchten, neue Freunde erspielt. 1987 traten Florian Rein und Sebastian Horn erstmals als Bananafishbones im evangelischen Gemeindehaus von Bad Tölz auf. 1991 machte Peter Horn das Trio komplett. Beim zweiten Auftritt gewannen die drei den Bandwettbewerb des Landkreises gegen 60 Mitbewerber. Sie zogen immer größere Fankreise, vom Oberland bis nach Ligurien, wo sie spontan im Urlaub jammten. „Wir hätten nichts dagegen, wenn wir das beruflich machen könnten. Es bahnt sich da was an“, sagten sie damals in einem Interview mit der SZ. Das große Dinge war ein Stück für einen Spot der Bekleidungs-Kette C&A, der monatelang im Musik-TV lief und Tag für Tag neue Fans anlockte (Sebastian und Peters Bruder Hans Horn, Regisseur ihrer Videoclips, hatte die Band an Werbefilm-Guru Roman Kuhn vermittelt): „Come To Sin“ wurde 1998 ihr erster Hit – „ein zweischneidiges Schwert“, wie Sebastian Horn sagt: „Überall hieß es: Da kommen die C&A-Rocker. Andererseits haben wir ein riesiges Spektrum an Leuten erreicht.“ Mit dieser Starthilfe brachten sie ihr zweites, zunächst selbstverlegtes Album „Viva Con Puta“ noch einmal heraus – diesmal bei einem Major-Label. So kam auch „Easy Day“, das Lieblingslied vieler alter Fans, in die Charts. Im Video-Clip tauchte Franka Potente („Lola rennt“) auf, längst Fan und Freundin der Band, seit sie bei Hans Horns Kurzfilm „Easy Day“ (Musik: Bananafishbones, Nebenrolle: Sebastian Horn) mitgespielt hatte. Es folgten das glitzernde Album „My Private Rainbow“ (mit den Singles „Glam“ und „Bum“), das raue „A Town Called Seven“ und etwas Starrummel: Sie gaben 150 Konzerte im Jahr bei Open-Airs, unplugged, mit der Tölzer Stadtkapelle oder volles Rohr mit Dia-Show; traten bei „Pop Of The Tops“ auf, teilten sich mit Brian Adams fünf Auftritte lang das Publikum; holten die Münchner Philharmoniker und Tanzparkett-Meister Hugo Strasser ins Studio; spielten zu einer Kellogg’s-Unesco-Werbung mit den Klitschko-Brüdern („Kids“). Auch in der Filmbranche wusste man den Ideenreichtum zu schätzen: Sie komponierten für „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“, „Der Bunker“, „Caipiranha“, Till Schweigers „Auf Herz und Nieren“ (Coverversion von „Road To Nowhere“) und den Kindermusik-Soundtrack für „Wilde Kerle“.

2001 erfüllten sich die Bananafishbones einen Traum: Sie starteten ihr eigenes „Hillside“-Festival auf einem Flugplatz vor Bad Tölz. Jedes Jahr luden sie sich seither befreundete Bands ein ( Wir sind Helden, Sportfreunde Stiller, Readymade, Gentleman, Waikiki Beach Bombers) und gaben dem Nachwuchs einen Chance. Gutes Miteinander ist ihnen ebenso wichtig wie der höchstmögliche Eigenanteil bei der Arbeit: Insofern kommt den Bananafishbones der Bruch mit der Plattenfirma ganz gelegen. Beim neuen Album auf dem eigenen Label südpolrecords besinnen sie sich auf ihre langjährige Erfahrung: „Jetzt gehen wir wieder den Independent-Weg“, sagt Sebastian Horn, „das ist die Ecke, aus der wir kommen, da fühlen wir uns zuhaus.“

Michael Zirnstein / Süddeutsche Zeitung


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