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Kenny Loggins
„It’s About Time“

In den USA ist Kenny Loggins das, was man einen household name nennt. Ein vertrauter musikalischer Begleiter über mehrere Generationen. Für Liebhaber gepflegter Rockmusik ist der Sänger, Gitarrist und Komponist seit mehr als dreißig Jahren ein Garant für Songs, die mal romantisch, mal nachdenklich klingen, aber stets optimistisch wirken – mainstream orientated rock in Perfektion. „It’s About Time“ ist Kenny Loggins’ neuntes Studioalbum und es ist das vitalste und stürmischste der letzten Jahre. Waren seine letzten Alben von Balladen dominiert, zeigt sich Loggins in diesen Tagen höchst experimentierfreudig und einige der Songs haben einen deutlichen Zug zum Dancefloor. Im Kreise alter Freunde wie der Doobie-Brothers-Legende Michael McDonald, Country-Star Clint Black und einer bewährten Popgröße wie Richard Marx läuft Mr. Footloose zur Bestform auf. 20 Jahre nach dem Titelsong zum Kassenschlager “Footloose” ist es wahrlich höchste Zeit, dass Kenny Loggins endlich mal wieder einen Fuß in die Tür deutscher Baby-Boomer stellt.

Kenny Loggins begann seine phänomenale Karriere als Songautor bereits in den späten Sechzigern. Damals hatte sich der aufstrebende Musiker aus Everett im Bundesstaat Washington gerade in Los Angeles niedergelassen und fand sein Glück als Songautor für die Nitty Gritty Dirt Band. Deren „House Of Pooh Corner“ gehört heute noch zu den Klassikern aus der Feder von Kenny Loggins, der übrigens im Laufe der Jahre einige höchst erfolgreiche Alben mit Kinderliedern veröffentlichte. In den frühen Siebzigern lernte Kenny Loggins den ehemaligen Poco-Musiker Jim Messina kennen, der eigentlich sein Soloalbum produzieren sollte. Am Ende ging aus dieser Begegnung das erfolgreichste Duo der frühen Siebziger hervor: Loggins & Messina. Ihr 72er Album „Sittin’ In“ war das erste einer ganzen Serie von Gold- und Platinalben und legte den Grundstein für etliche ihrer Country-Rock-Klassiker. Zu den bekanntesten Titeln ihrer gemeinsamen Karriere gehören „Your Mama Don’t Dance“ (vom 74er Album „Loggins & Messina“) sowie die Live-Version von „Vahevala“ (ursprünglich auf „Sittin’ In“), die noch bis weit in die Achtziger zum Pflichtprogramm jedes gestandenen Rock-DJs gehörte. 1976 trennten sie sich zugunsten jeweiliger Solokarrieren.

Während Kenny Loggins es auf seinen ersten beiden Soloalben, „Celebrate Me Home“ (1977) und „Night Watch“ (1978), ganz entspannt angehen ließ und mit hochkarätigen Gästen wie Patti Austin und Stevie Nicks edlen Soft Rock im typischen Stil der Siebziger zelebrierte, schaltete er auf „High Adventure“, unterstützt von erstklassigen Musikern wie Steve Perry und Michael McDonald, ein paar Gänge höher und rockte wieder richtig. Das darf man mit Fug und Recht auch von seinen US-Top-Ten-Hits behaupten, die Loggins im Verlauf der Achtziger für Soundtracks aufnahm. „I’m Alright“ (für „Caddyshack“), „Footloose“ (für „Footloose“), „Danger Zone (für „Top Gun“) und „Nobody’s Fool“ (für „Caddyshack II“) haben ihn zum König der Filmsoundtracks gemacht. Auch wenn seine Alben „Leap Of Faith“ (1991) und „The Unimaginable Life“ (1997) nicht mehr den durchschlagenden Erfolg zeitigten, nimmt sich eine Karriere mit zwölf Platinalben und vierzehn Goldalben, mit denen das Schaffen von Kenny Loggins geehrt wurde, doch mehr als beachtlich aus.

„It’s About Time“ ist ein Album, bei dem sich künstlerischer Anspruch und kommerzielle Verwertbarkeit optimal ergänzen. Mit Tommy Sims hat Kenny Loggins einen superben Produzenten verpflichtet, der bereits Bruce Springsteen und Eric Clapton unter seinen Fittichen hatte. Und Toningenieur Tony Shepperd weist mit Madonna und Whitney Houston ebenfalls erstklassige Referenzen auf. So darf es nicht wundern, dass das komplette Album


wie aus einem Guss klingt. Da sitzt jeder Gitarrenlauf, jeder Break, ganz zu schweigen von den perfekten Gesangssätzen. Der mit Michael McDonald komponierte und aufgenommene
Titelsong hat den für die Doobie Brothers typischen Gospel-Funk-Groove. Der Spirit, in dem sie seinerzeit mit „What A Fool Believes“ einen der größten Hits für die Doobies schrieben, ist wieder voll erwacht. „Alive ’n’ Kickin’“ legt durch die Mitwirkung von Clint Black noch die nötige Schüppe Rock’n’Roll drauf.

Richard Marx zeigt nicht minder erwartungsgemäß als Sänger, Pianist und Komponist bei Balladen wie „I Miss Us“ und „The One That Got Away“ sein ganzes Feingespür für große Gefühle. Dass sich Kenny Loggins gemeinsam mit Glen Phillips (von Toad The Wet Sprocket) auf einen exotischen World-Beat und Tribal-Funk wie „This Is How My Song Goes“ einlässt und damit fast in die stilistische Nähe von Peter Gabriel kommt, ist bewundernswert. Besonderen Applaus hat sich Kenny Loggins mit den beiden Songkollaborationen mit Tommy Sims verdient. Währen „Doin’ It Right“ so cool und abgeklärt klingt wie ein verloren geglaubter Soul-Klassiker, baut sich „The Undeniable Groove“ zu einem wahren Funk-Monster auf. Kenny Loggins wäre es durchaus lieb, wenn sich die Entstehungsgeschichte von „It’s About Time“ ebenso leicht und locker ausnehmen würde, wie das Album schlussendlich klingt, aber dem ist nicht so.

„Ich bin durch eine ziemlich dunkle Phase für diese Platte gegangen“, gesteht Kenny Loggins, „das Radio hatte sich deutlich von dem fort entwickelt, was ich eigentlich mache. Alles drehte sich nur noch um Alternative-Rock, HipHop und Rap. Ich bekam schon Depressionen, weil ich das Gefühl hatte, dass ich genötigt werde, in Pension zu gehen, ohne dass ich eigentlich die geringste Lust dazu verspürte. Der Gedanke setzte sich allmählich richtig fest, und als ich meinem Sohn Luke sagte, dass ich mit der Musik aufhören wolle, fing er gleich an zu weinen und redete eine Weile nicht mehr mit mir. Dann sagte er zu meiner Frau, ‚Wenn Daddy aufhört zu singen, werde ich sterben’. Das war ein richtiges Alarmsignal. Das hat mich umgehauen. Mich vom Musikbusiness zurückzuziehen, war von da an keine Option mehr.“

Wahrscheinlich ist es der wieder belebte Kampfgeist, der unbedingte Wille, sich selbst, seinen Fans und seiner Familie noch einmal seine ganze Klasse zu beweisen. Dazu gehört auch eine der eigenwilligsten musikalischen Liebeserklärungen der jüngeren Popmusik. In der Ballade „With This Ring“ erzählt Kenny Loggins die authentische Geschichte, wie er seiner Frau aus Liebe zum Geburtstag einen Ring schenkt, allerdings einen, den er selbst tragen wird. Bei der Heirat vor dreizehn Jahren hatte sich Kenny Loggins noch geweigert, einen Ring zu tragen, weil er sich damit wie gefangen fühlte. Der Sinneswandel, der ihn nun bewogen hat, doch einen Ring zu tragen, scheint sich wie ein guter Geist auf das ganze Album übertragen zu haben. Kenny Loggins spielt hier jedenfalls so befreit auf wie selten zuvor. Höchste Zeit, dass man ihm auch hierzulande wieder Gehör schenkt.

April 2004


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