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Major & Suzan

Darauf haben die Fans von Klaus „Major“ Heuser lange warten müssen. Aber, soviel vorweg, das Warten hat sich gelohnt. MAJOR & SUZAN, das Solodebüt des ehemaligen BAP-Gitarristen, versammelt 12 Heuser-Songs, in denen sich der Ausnahme-Gitarrist nicht nur austoben konnte, sondern die auch den Ehrentitel Komposition verdienen. Aber halt mal! Wieso Solodebüt? Der Titel legt doch nahe, dass es sich hier um ein Gemeinschaftsprojekt handelt. Und richtig! Major, der den Platz am Mikrofon nicht beansprucht, fand in der attraktiven Berlinerin Suzan Werth eine vortreffliche Gesangspartnerin und hochbegabte Texterin.

„Ich trug mich schon länger mit Solo-Gedanken“, sagt Major und schmunzelt, „wollte aber nicht selbst singen. Suzan hat mir vor einigen Jahren das Demo ihrer Band zugeschickt. Abgesehen von der Sängerin gefiel mir das aber überhaupt nicht und das habe ich ihr auch so gesagt. Das Thema war für mich damit erledigt. Erst etwa ein Jahr später hat Suzan mich in Köln besucht und wollte wissen, warum und wieso. So haben wir uns kennen gelernt.“

Das war Mitte 2003 und markierte den Beginn einer großen musikalischen Freundschaft. Egal, ob es kosmischer Zufall war oder der Hartnäckigkeit von Suzan zu verdanken ist – die beiden klingen, als hätten sie nie etwas anderes getan als zusammen zu musizieren. Und dies obwohl es zwischen ihnen kaum musikalische Berührungspunkte gibt. Hier der erfahrene Gitarrist, Musiker und Produzent, dort die Fremdsprachenkorrespondentin (Englisch, Französisch, Italienisch), die es nach dreijähriger Gesangsausbildung und zehn Jahren zwischen Job und Hobbymusiker-Dasein endlich einmal wissen will.

„Klaus war und ist“, lächelt Suzan, „ein strenger Lehrmeister. Er lässt einem nichts durchgehen und macht keine Zugeständnisse, aber genau das hat die Zusammenarbeit so befruchtet. Er hat mir Songideen vorgespielt, ich habe ihm Textvorschläge gemacht - und so haben wir uns dem genähert, was man heute auf dem Album hört.“ Klaus nickt bestätigend: „Dafür, dass wir uns überhaupt nicht kannten, hat die Zusammenarbeit von Anfang an unglaublich gut geklappt. In der Praxis lief die Arbeit wie folgt ab: Suzan kam für eine Woche nach Köln ins Studio und verschwand dann wieder nach Berlin, um ihrem Job nachzugehen. In der Zeit bis zum nächsten Termin hat sie Texte geschrieben, während ich an den Arrangements gefeilt, am Sound gearbeitet und alles für die nächste Session vorbereitet habe.“

Typisch Major. Kenner wissen: Der Mann überlässt nichts dem Zufall. Das war schon zu BAP-Zeiten so. Und um eins mal gleich klarzustellen: Der Architekt des BAP-Sounds, der Autor der großen BAP-Hits, der Herr der ruppigen Riffs und ausgefeilten Klangstrukturen war Klaus Major Heuser. Bis zu seinem Abgang anno ´99 schrieb der Leverkusen-Fan den Löwenanteil des BAP-Materials. Kuriosum am Rande: Auf der aktuellen Hitkompilation zum 30jährigen Bestehen der Kölner Combo stammen die meisten Titel aus der begabten Feder eines gewissen Major.

„Leider wird heute der Musik eine untergeordnete Rolle zugewiesen. Meistens steht die Show im Vordergrund. Musiker werden zu Statisten degradiert. Image und Aussehen bestimmen den Markt. Das ist bei mir anders. Bei mir geht´ s nur und ausschließlich um Musik!“ Und, so darf man hinzufügen, das hört man auch auf MAJOR & SUZAN.
Hier wird 12 Songs lang im wahrsten Sinne des Wortes musiziert, gesungen, gespielt und improvisiert, dass es eine wahre Freude ist.

Im ersten Arbeitsgang baute der Architektensohn die Klangräume im Alleingang: Schlagwerk programmiert, Keyboard - Layers ausgebreitet, drüber die Bass- und Gitarrenlinien usw. Dann kam der Gesang von Suzan, deren Tonumfang, Stimmdruck und Ausdrucksmöglichkeiten endlich den hohen Erwartungen des Perfektionisten Heuser genügten. Suzan überzeugt in hohen wie tiefen Lagen, ihr Englisch ist makellos, ihre Musikalität und Expressivität ebenfalls. Mal klingt sie guttural, mal prescht sie vor, mal lautmalt sie zu den Gitarrenlinien. Vom erotischen Kiekser bis zu hingehauchten Adlibs, vom kraftvoll-zupackenden Vorwärts bis hin zum nasalen Quengeln beherrscht sie die sängerischen Finessen. Sie phrasiert wie eine Muttersprachlerin und wusste spätestens im Studio, wofür sie Fremdsprachen gebüffelt und Workshops in den USA besucht hatte.

Im zweiten Durchlauf engagierte Major die Crème deutscher Musiker: Wolf Simon (Klaus Lage, Bobby Kimbal, e.a.) spielte die Drumparts, Claus Fischer (Frank Band, Heavy Tones) groovte am Bass, Lillo Scrimali (Fanta 4 ) übernahm die Klavierarbeit und brillierte bei „Why am I“ mit einem großartigen, zwischen Jazz und Rhythm´n´Blues oszillierenden Piano-Solo. Zuguterletzt setzte Mario Argandonia (Santiago, Jon Lord Orchestra, Deep Purple) Percussion-Akzente.

Wer jetzt nicht weiß, was er sich vorstellen soll, dem sei gesagt: Major klingt wie Major, Power-Pop internationalen Zuschnitts, melodiös ausgereift, klanglich ausgefeilt, mit einer Neigung zu chorischen, aufwärts strebenden Refrains. Dass Major musikalisch mehr USA als England, mehr Rock als Punk ist, bedarf wohl keiner gesonderten Erwähnung. Dass er nichts von seinem Hitgespür verloren hat, beweist gleich der Opener „Promises“, der sich mit seinen lang gezogenen Gitarrenlinien und seinem Hook gleich im Ohr und im Herzen festsetzt. Und Suzan hat mit ihrer Story über Zwangsprostitution eine eindrucksvolle Visitenkarte als Texterin abgegeben. Sie versetzt sich in die Situation dieser modernen Sklavinnen, die nachts nach all den Freiern mit einem Handtuch um den Kopf aus der Dusche kommen und ihr Geld nachzählen. Nicht erhobener Zeigefinger, sondern (nach)empfundene Pein und mit-erlebte Erniedrigung. Das langsame, deutlich autobiografische „Suzan“ beschreibt den Prozess der Selbstbehauptung und ist ein perfektes Beispiel dafür, wie Stimme und Gitarre miteinander spielen, auseinanderdriften, wieder zusammenfinden und sich gegenseitig kommentieren. „Fame“, bei genauem Hinsehen ein „Anti-Bush-Song“, wie die romantische Rebellin Suzan bemerkt, ist ein weiterer Single-Kandidat und zeigt den Gitarren-Junkie Heuser in Höchstform. Muss man erwähnen, dass er 30 verschiedene Gitarren einsetzte und alle Spielarten aus dem Effeff beherrscht: ruppige Rockriffs, silbrige verschliffene Dobro-Akkorde, heitere Open tunings, Effektarbeit, Soundfülle, Single-Note-Spiel, wunderbar logische Soli. Major hat´s einfach drauf. Und wer jemals eine Gitarre in der Hand hatte, der weiß: Man kann zwar einiges lernen, aber für soviel lässiges Genie braucht man einfach Begabung.

Obwohl stilistisch aus einem Guss ist MAJOR & SUZAN reich an Farben, Formen, Stimmungen: Erotisch grundierte Schieber wie „First Time“, akustische Klangmalereien wie auf „Things“ mit seinen feinen Dobro-Linien, druckvolle Uptempo-Rocker wie „I Surrender“ mit hoch gestimmten Soli – hier fehlt es an nichts. Ob laut im Auto, auf dem Kopfhörer bei Start und Landung oder morgens zum Wecken – MAJOR & SUZAN ist große Kirmes, hoch auflösende Musik. POP – große Kunst, kleine Form, Euphorie in den fünf Minuten vor den Nachrichten.

Klaus Heuser, der sich die letzten Jahre weitgehend aus der Öffentlichkeit, die man Showbiz nennt, zurückgehalten hat, konnte ohne jeden Erfolgsdruck arbeiten. Der abgeklärte Profi und die staunende Debütantin, das passt prima. Dass Suzan von Berlin nach Köln flog, um den Grund für die Absage zu erfahren, war Zufall. Dass die beiden zu einem Dreamteam wurden, war Glück. Für uns, die Hörer.


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