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Meredith Brooks

„I’m a bitch, I’m a lover, I’m a child, I’m a mother, I’m a sinner, I’m a saint...“ .Sie erinnern sich an diese Textzeilen? Im Sommer 1997 jedenfalls hörte man die Stimme von Meredith Brooks aus allen Eisdielen, Autoradios, Ghettoblastern auf Freibadwiesen, Plattenladen-Beschallungen und Open-Air-Festival-Boxentürmen. Das Besondere an „Bitch“ war, dass dieser Song vom ersten Moment an wie ein Klassiker klang. Sicherlich mit ein Grund warum dieser Titel noch immer auf vielen Sendern läuft. Meredith Brooks war eine der Vorbotinnen einer bis heute nicht abgerissenen Welle an Veröffentlichungen von starken Alben amerikanischen Power-Ladies deren Erfolge manchen musizierenden Kollegen voller Neid erstarren ließen. Der Text ,das war aber auch ein Versprechen: Von einer Sängerin, die schon auf ihrer ersten Single so viele verschiedene Rollen für sich selbst beansprucht, wusste man, dass noch viel, viel Neues und Interessantes zu erwarten ist. Und „Bad Bad One“ ist die neueste „Gemeinheit“ von Meredith Brooks, das dritte Album, das knapp vier Jahre nach „Deconstruction“ nun endlich auch bei uns erscheint. Meredith hat sich weiter entwickelt und beansprucht Ihren Platz zurück. Also Copycats aufgepasst!

Die zwölf Stücke auf „Bad Bad One“ sind das Dokument einer Selbstverwirklichung und nach Meredith natürlich das Beste, was ihr bisher gelungen ist. Schon immer ging es bei ihrer Musik um Reife, um echtes, ausgeruhtes Künstlertum und darum, dass das Leben selbst die besten Blues-Songs schreibt. „Bad Bad One“ ist zwar alles andere als Blues, aber im Herz von Meredith Brooks‘ Liedern hört man ihn schlagen und stampfen, dort steckt die älteste, bewährteste Erzählform des Rock’n’Roll: „Crazy“ beispielsweise handelt von der Erkenntnis, eine Außenseiterin zu sein, aber statt vom Ausbruch nur zu träumen, hat die Hauptfigur den Fuß schon auf dem Gaspedal. In „Bad Bad One“ geht es darum, dass man sich auch vom Liebsten niemals festhalten lassen soll, „Your Name“ erzählt von den Kommunikationsproblemen, die jede Beziehung kleinkriegen können. Und wenn die Sängerin in „Pleasure“ für einen Moment die Idylle in den Armen des Mannes genießt, sieht sie im folgenden Song „Pain“ schon wieder die Kehrseite des Glücks: „Happiness is overrated!“ Ja, Meredith Brooks hält das Versprechen: Sie zeigt immer Gut und Böse, Licht und Schatten, sie verschweigt nichts. Das Komplizierte lässt sie kompliziert, denn Glattbügelei ist für Angsthasen.

Die Rolle der alles niederrockenden Bitch spielt Meredith Brooks dagegen nie. Natürlich liebt sie es noch immer, für den einen oder anderen Refrain den Himmel aufzureißen und die Gitarre brennen zu lassen. Gleichzeitig hat sie nie zuvor mit so fantasievollen Klangfarben gemalt, das Effektgerät als Stimmungsthermometer benutzt, solche schwirrenden und schwingenden Licks auf ihrer Telecaster gespielt. „Bad Bad One“ ist Groove-Pop, hundertprozentig von heute, nicht gequält modern. Teils mit Beatbox (und auf „Walk Away“ sogar mit einem Sample-Zitat aus Malcolm McLarens Old-School-HipHop „Buffalo Gals“!), teils mit echten Drums, die Abe Laboriel Jr. geschlagen hat, seit dieser Saison Tourschlagzeuger von Paul McCartney. Wie bei beim Vorgänger „Deconstruction“ hat Meredith mit Produzent Dave Darling gearbeitet (der unter anderem das Brian Setzer Orchestra und Dan Hicks im Studio betreute und, Überraschung, auf einem Mötley Crüe-Album die zweite Gitarre spielte). Viele Mischpult-Arbeit hat sie dieses Mal selbst besorgt, die Songs stammen zum Großteil aus vergangenen Jahren des Ausprobierens und der Selbsterkundung, in denen sie keine Verträge zu erfüllen hatte. „Bei der Arbeit an diesen Stücken habe ich nie gedacht: Was werden die anderen sagen, wenn ich dieses oder jenes so formuliere?“ sagt sie. „Diese Platte ist kein bisschen politisch, romantisch oder spirituell korrekt. Ich habe sichergestellt, dass ich meine eigenen kreativen Vorstellungen verwirkliche, bevor irgendjemand anders die Musik auch nur zu hören bekam. Ich musste nichts erzwingen, alles kam von alleine.“

Die Geschichte von Meredith Brooks begann in Oregon City, wo sie am 12. Juni 1958 zur Welt kam. Nachdem sich ihre Eltern getrennt hatten, wuchs sie mit der Mutter und der älteren Schwester in Corvallis/Oregon auf, hörte die Eagles, Fleetwood Mac, Blondie, Eric Clapton und Led Zeppelin, lernte mit elf Gitarrespielen und wurde nach der Schule (die sie schon mit 15 abschloss, weil sie als Begabte einige Klassen übersprungen hatte) Profimusikerin. Sie spielte in vielen kleinen Bands, verschickte Demobänder, zog 1986 nach Los Angeles und verdiente sich mit Solo-Auftritten die Miete. Drei Jahre später veröfffentlichte sie als Mitglied der Band The Graces, zu der auch Ex-Go Go’s-Bassistin Charlotte Caffey gehörte, ihr erstes Album.

Der Erfolg kam erst mit dem Solo-Debüt „Blurring The Edges“, das sie 1996 im Heimstudio von David Ricketts (einst beim bekannten Duo David & David) aufgenommen hatte und für das daher auch eine zugeschlagene Waschmaschinentür und ein Schürhaken als Klangelemente verwendet wurden. Im gewaltigen Hall des Nummer-eins-Hits „Bitch“ wurden bis heute rund vier Millionen Stück von dem Album verkauft, und Meredith spielte neben der eigenen Welt-Tournee einerseits beim feministischen „Lilith Fair“-Festival, andererseits im Vorprogramm der Rolling Stones. 1999 kam „Deconstruction“. Zerwürfnis mit dem Label und die Chance die Arbeit anders anzugehen. Dass der ganze große öffentliche Rummel erstmal vorbei war, gab Meredith Brooks die notwendige Zeit, um ein Netzwerk zur Rock’n’Roll-Früherziehung an Schulen aufzubauen (genannt „Anybody’s Mentoring Program“) und selbst das Produzenten-Handwerk zu lernen. Ihre erste Kundin war die befreundete Schauspielerin Jennifer Love Hewitt, deren überraschend gutes Debütalbum „Bare Naked“ Meredith komplett betreute und auch als Gitarristin mitprägte - wer bei „Pleasure“ auf „Bad Bad One“ genau hinhört, wird merken, dass Jennifer sich hier als Backgroundsängerin revanchiert! Dass Meredith Brooks bald wieder rund um die Uhr in eigener Sache beschäftigt sein wird, deutet sich bereits an: Vor kurzem ist sie im Vorprogramm von Melissa Etheridge getourt, der Song „Shine“ ist im Ende Juli anlaufenden Hollywood-Film „Was Mädchen wollen“ von Dennie Gordon zu hören.

Lockerer, atmungsaktiver, eingängiger Gitarren-Pop ist das eine. Songs, die Ausdruck einer vielschichtigen Persönlichkeit und einer poetisch markanten Stimme sind, sind meistens das andere. Wer beides will, soll das neue Meredith-Brooks-Album hören. Spätestens dann weiß er, dass es auch noch Künstler gibt, die hohe Erwartungen galant übertreffen.


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