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Silje Nergaard


Norwegen, immer wieder Norwegen. Jahrzehntelang dachte man beim Land der Fjorde und Lachse höchstens an eben diese. Musikexperten vielleicht noch an Terje Rypdal oder Jan Garbarek. Seit ein paar Jahren aber und ganz plötzlich, stürmen die Norweger die Innovationshügel, vorneweg Nils Petter-Molvaer, dicht gefolgt von Bugge Wesseltoft, Sidsel Endresen und auch Supersilent. Jetzt gesellt sich auch noch Silje Nergaard hinzu.

Die kleine, singende Songwriterin rollt das Feld allerdings von hinten auf. Ihr ”Port Of Call”, also Anlaufhafen, ist nicht die elektrifizierte Zukunftsmusik, sondern eher das Liedgut des ersten Jazz-Jahrhunderts. Doch wie sie sich diesem nähert, ist nicht nur - Wortspiel hin oder her - zeitgemäss, sondern zukunftsweisend. Gute Musik kennt ohnehin nur die Zeit, die man ihr widmet. Erlaubt ist, was gefällt.

Schon die ersten Töne von ”Port Of Call”, die klassisch klingende Eigenkomposition ”Me Oh My”, lassen aufhorchen. Das swingt so erfrischend und unschuldig, und dann kommen auch noch diese Barbershop-Harmonien, die fast an die fieldrecordings erinnern, die Tanzmeister Moby neulich für sein ”Play” versampelte. Dabei kein bisschen maniriert oder affektiert. So klingt Silje Nergaard eben und wer hinter die mädchenhafte Klarheit hört, entdeckt eine ehrliche Tiefe, wie man sie sonst vielleicht bei Blossom Dearie, bei Björk oder auch Sinead O’Connor findet.

So eine Stimme kommt natürlich nicht von ungefähr. Schon mit 16 ersang sich Silje beim Jazzfestival in Molde, und dann auch gleich bei einer Jam Session mit Jaco Pastorius’ Band, Respekt. Über Nacht, wie man so schön sagt, und dank der überschwenglichen Begeisterung der anwesenden Journalisten, wurde sie zur norwegischen Nationalheldin im Jazzgesang. Wo auch immer sie die ausverkauften Häuser besang, tobte die Menge. Auch der durchreisende Pat Metheny war angetan und, mehr noch, bereit und instrumental ihr 1990 den ersten Plattenvertrag zu besorgen. Ihre Debütsingle ”Tell Me Where You’re Going” verbrachte 15 erstaunliche Wochen in den britischen Charts, etliche davon sogar in den Top 40. Das dazugehörige Album, auf dem natürlich auch Pat Metheny in die Saiten griff, war nicht nur Top 10 in Skandinavien, sondern lange Zeit gar die Nummer 1 der japanischen Radiocharts.

So populär war die bezaubernde Blondine im Land der aufgehenden Sonne, dass man sie nicht nur im allerheiligen Heian Schrein in Kyoto auftreten liess (dem japanischen Equivalent des Vatikan, wenn man so will), sondern auch einen besonders guten Wein nach ihr benannte. Auch ihr zweites Album ”Silje”, diesmal von einem Duett mit A-HA-Effektler Morton Harket gekrönt, feierte Erfolge in Skandinavien, Japan und weiten Teilen Europas. Nach dem western-swingenden ”Cow On The Highway”, ihrem dritten Album, kehrte Silje erstmal zu Heimatland und Heimatsprache zurück. ”Brevet”, der Brief, und ”Hjemmefra”, von daheim, waren persönliche, private Herzensangelegenheiten. Was sie nicht daran hinderte, den Status der mittlerweile auch international als Songwriterin erfolgreichen Sängerin (Honorable Mention in der ”USA Songwriter Competition” im Dezember 1999) noch zu verbessern. Nahezu perfekt also, die Vorarbeit, die Ouvertüre, das Vorspiel, das über zehn Jahre anschwellende Crescendo zu ”Port Of Call”, dem, paradoxerweise, leisen, subtilen Fortissimo.

Dieses sechste Album, mit seinen gefühl- und geschmackvollen Interpretationen von Klassikern wie ”Bewitched” von Rodgers & Hart, ”Don’t Explain” aus dem Repertoire der Billie Holiday, aber auch ”If You Love Somebody” von Sting, und den drei wundervollen Originalen aus ihrer Feder, ist schon nach dem ersten, beiläufigen Durchhören unvergesslich. Was natürlich vor allem an dieser zauberhaften Stimme und der entsprechend bezaubernden Darbietung liegt, aber auch an ihren famosen Begleitern (über die mal im Record Mirror zu lesen war, sie seien ”as tight as Kylie’s pants”) und der gefühlvollen Produktion des amerikanischen Gitarristen George Wadenius (der schon bei Steely Dan, Dr.John oder Aretha Franklin von sich hören machte). ”Port Of Call” ist aus einem gelungenen Guss, auch wenn manchmal ein Fender Rhodes, dann wieder Streicher oder sogar eine Klarinette den Begleitton angeben. Wenn man dieses Album hört, weicht einem das zufriedene Lächeln tagelang nicht von den Mundwinkeln.


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